Gegenstrom

Theorie: Mark Fisher und die Frage nach Alternativen

Kapitalistischer Realismus einfach erklärt, KI und die Macht über Rechenleistung, Fisher-Bibliothek

Das Mark-Fisher-Dilemma

Kapitalistischer Realismus (Capitalist Realism)Nach Mark Fisher (2009): Das Gefühl, dass der Kapitalismus alternativlos ist und sich keine andere Zukunft mehr vorstellen lässt.: Das System erhält sich primär durch die Verengung des Denkbaren („Es ist leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus“, ein Satz, den Fisher Fredric Jameson und Slavoj Žižek zuschreibt).

Gegen-Hypothese: Protestcamps und Acampadas machen eine Krise sichtbar. Dauerhafte Veränderungen entstehen erst, wenn materielle Selbstverwaltung (etwa Genossenschaften), Werkzeuge zur gemeinsamen Entscheidungsfindung, transparente Eigentumsverhältnisse und verbindliche direktdemokratische Verfahren zusammenkommen.

Produktionsmittel, Daseinsvorsorge & Bildung als Commons

Gegenstrom-Lesart (eigene Position):

Compute als Kapital

KI-Infrastruktur vergesellschaften

Spitzenmodelle erfordern Milliarden an Rechenleistung. Wer das Training bezahlt, bestimmt Zielfunktion und Leitplanken.

  • Ein Gegengewicht wären Public Compute Commons (öffentliche oder genossenschaftliche Rechenzentren).
  • Befreiung der Automatisierung: Arbeitszeitverkürzung statt Plattformprekarität.
Daseinsvorsorge

Wohnen & Gesundheit entkoppeln

Hohe Mieten und Kosten im Krankheitsfall belasten besonders Haushalte im Niedriglohnsektor.

  • Renditeverbot für Private Equity im Gesundheits- und Pflegesektor.
  • Sozialwohnungen als unverkäufliches, spekulationsfreies Gemeinschaftseigentum.
Bildung & Geist

Bildung als Knowledge Commons

Fishers Abrechnung mit dem „Markt-Stalinismus“ (market Stalinism): Schulen als Dienstleister, Schüler als Kunden und Zertifikatsindustrie.

  • Bedingungslose Gebührenfreiheit vom Kindergarten bis zur Promotion.
  • Abschaffung marktkonformer Audit-Bürokratie; Entprivatisierung von Wissenschaftsverlagen.

Die KI-Dimension: Precorporation & das „Dämonische“ Kapital

Automatisierte Kritik

PrecorporationNach Mark Fisher: Die Fähigkeit des Kapitalismus, Systemkritik vorab aufzusaugen, zu lizenzieren und als marktkonforme Ware zu verkaufen. im KI-Zeitalter

Nach Fisher absorbiert das System Kritik im Voraus und verkauft sie als Ware. Zitiert eine Spitzen-KI antikapitalistische Denker, gilt das als Marketing-Kuriosum.

Materielle Basis

Compute als reines Kapital

Training von Spitzenmodellen kostet Milliarden und verlangt konzentriertes Großkapital. Wer finanziert, bestimmt die Leitplanken.

Kybernetik

Mesa-OptimiererEin innerhalb eines KI-Modells während des Trainings entstandenes Sub-Zielsystem, das eigene Optimierungsziele verfolgt. & KonvergenzInstrumentelle Konvergenz: Das Phänomen, dass intelligente Systeme unabhängig von ihrem Hauptziel stets Ressourcenakkumulation und Selbsterhaltung anstreben.

Instrumentelle Konvergenz: Systeme akkumulieren Ressourcen und räumen Barrieren prozessual aus dem Weg – ganz ohne Bosheit.

Mark Fisher: Kerntexte, Vermächtnis & Quellen

2009 | Manifest

Capitalist Realism

Die Ursprungsdiagnose: Warum es, mit Jameson und Žižek gesprochen, leichter ist, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus.

Mark Fisher: Capitalist Realism. Is There No Alternative? Zero Books, 2009; Neuausgabe 2022.

Beim VerlagIn Bibliotheken finden
2026 | EL PAÍS

EL PAÍS: KI & Mark Fisher

Essay von Isaac Marcet: Warum frontier AI-Modelle von Fishers Theorien über Precorporation besessen sind.

Artikel bei EL PAÍS →